Exchange Server SE Lizenzierung – Teil 3

Seit der Veröffentlichung meiner Artikel über Lizenzen und Produktschlüssel für Exchange Server SE, Exchange Server SE und Produktschlüssel sowie Exchange Server SE Lizenzierung – Teil 2, haben mich weitere Fragen zu dem Thema erreicht. 

Deshalb habe ich mich dazu entschieden, einen dritten Artikel zu verfassen, um die neuen Fragen ausführlich zu beantworten und einige Missverständnisse zu klären.

So erwirbst du Exchange Server SE

Eine der meistgestellten Fragen war, wie man Exchange Server SE erwerben kann. Diese Frage wurde mir in der Tech Community, auf LinkedIn und Reddit häufig gestellt. Auch beim kürzlich stattgefundenen Exchange Summit 2026 wurde ich mehrfach danach gefragt.

Ich möchte noch einmal deutlich machen, dass das Lizenzmodell für Exchange Server SE genau dasselbe ist wie bei Exchange Server 2019. Du kannst dies ganz einfach auf der Microsoft-Website unter „Produktbedingungen“ nachprüfen, indem du die Lizenzanforderungen für Exchange Server in den verschiedenen Lizenzprogrammen prüfst. Diese Webseite ist die wichtigste Quelle zu dem Thema.

Wenn du das „Wirksamkeitsdatum“ auf ein Datum im Frühjahr 2025 änderst, kannst du die Bedingungen für Exchange Server 2019 einsehen. Das folgende Beispiel zeigt die Lizenzbedingungen für Exchange Server 2019 zum 1. Januar 2025.

Screenshot der Microsoft‑Licensing‑Webseite mit den Produktbestimmungen für „Exchange Server“ im Open‑Lizenz‑Programm, wirksam ab dem 1. Januar 2025. Die Ansicht zeigt Registerkarten wie „Verfügbarkeit“, „Nutzungsrechte“ und „Lizenzmodell“ sowie eine Tabelle, in der Exchange‑Server‑Produkte wie „CAL für Exchange Server Enterprise 2019“ und „Exchange Server Standard 2019“ mit ihrem jeweiligen Verfügbarkeitsdatum aufgelistet sind.
Screenshot - Produktbestimmungen für Exchange Server 2019

Wenn du dir den Abschnitt zum „Lizenzmodell“ anschaust, siehst du: Die Formulierungen für 2019 und SE sind im Prinzip gleich, nur der Produktname ist jeweils anders.

Exchange Server 2019 - Lizenzmodell

Screenshot einer Microsoft‑Webseite zu den Produktbestimmungen von Exchange Server 2019. Sichtbar sind Abschnitte mit den Überschriften „Lizenzmodell“, „Server/CAL“, „Zugriffslizenzen“ und „Serversoftwarezugriff“. Darunter befinden sich Tabellenzeilen mit Lizenztypen wie „Standard‑CAL für Exchange Server 2019“, „Nutzer‑AL für Exchange Online“ sowie Hinweisen zu Enterprise‑CALs für zusätzliche Exchange‑Funktionen.
Lizenzmodell für Exchange Server 2019

Exchange Server SE - Lizenzmodell

Screenshot einer Microsoft‑Webseite mit nahezu identischem Layout, jedoch für die Abonnementedition von Exchange Server. Die Seite zeigt Abschnitte zu „Lizenzmodell“, „Server/CAL“, „Zugriffslizenzen“ und „Serversoftwarezugriff“. In den Tabellen erscheinen Lizenzbezeichnungen wie „Exchange Server: Abonnementedition Standard CAL“, „Nutzer‑AL für Exchange Online“ sowie Enterprise‑CAL‑Informationen und ergänzende Lizenzlinks.
Lizenzmodell für Exchange Server SE

Wie du siehst, braucht man bei der Lizenzierung von Exchange Server SE nach dem üblichen Modell sowohl für 2019 als auch für SE eine Software Assurance (SA). Das nennt man L+SA.

Aber man sieht auch, dass es neben L+SA noch zwei weitere Lizenzwege gibt: Exchange Online P1 (entspricht den Standard-CALs) und Exchange Online P2 (entspricht den Enterprise-CALs), plus CAL- und ML-Äquivalenzlizenzen, die Office 365, Microsoft 365 und andere Angebote abdecken.

Lizenzwege

Für die drei verschiedenen Lizenzierungswege gibt es übrigens eine praktische Übersichtsseite auf den Microsoft Licensing Resources. Diese englischsprachige Seite hilft dir auch, den Überblick über deine Optionen zu behalten. Die deutschsprachige Seite ist inhaltlich leider anders aufgestellt.

Screenshot einer Microsoft‑Webseite mit dem Abschnitt „Take the next step“. Darunter stehen drei nebeneinander angeordnete Kacheln: „Buy from a partner“ mit einem Hinweis zum Cloud Solution Provider‑Programm, „Buy from a Microsoft seller“ mit Informationen zum Microsoft Customer Agreement for Enterprise, und „Buy from Microsoft online“ mit einem kurzen Text zur direkten Online‑Beschaffung. Jede Kachel enthält einen Link, etwa „Find a partner“, „Learn more“, „Microsoft 365 admin center“ oder „Azure portal“.
Screenshot der en-US Seite für Lizenzwege

Wie du hier siehst, kannst du als Kunde entweder bei einem Partner wie einem Cloud Solution Provider (CSP), bei einem Microsoft-Händler über eine MCA-E-Vereinbarung oder direkt im Microsoft 365 Admin Center einkaufen. Lass uns diese Möglichkeiten mal etwas genauer anschauen.

Kauf von Exchange Server SE bei einem CSP

Da CSPs keine Software Assurance (SA) anbieten dürfen, können sie dir Exchange Server SE nicht im klassischen L+SA-Modell verkaufen. Was sie jedoch verkaufen können, sind Cloud-Lizenzen wie Exchange Online P1 und P2 sowie CAL-äquivalente Lizenzen wie Office 365 und Microsoft 365. Das heißt: Exchange Server SE CALs bekommst du beim CSP nur über Cloud-Abos (CSLs), nicht über L+SA. Die Exchange Online P1- und P2-Lizenzen kannst du kaufen und deinen lokalen Usern oder Geräten zuordnen. 

Da CSPs keine Software Assurance (SA) anbieten dürfen, dürfen sie auch keine Lizenzen für Produkte verkaufen, für die SA verpflichtend ist. Dazu zählen die Office-Server-Produkte. Deshalb findest du die Office-Server auch nicht im CSP-Angebot. Was CSPs aber können: Sie können dir über Cloud-Abos (CSLs) die nötigen Berechtigungen für Office-Server verschaffen. Dumm nur: Es gab wohl Fälle, in denen CSPs Exchange Server 2019-Lizenzen ganz ohne SA verkauft haben, sog. Perpetual-Lizenzen. Das war aber nicht erlaubt. Bei Exchange Server 2016 ging das noch, aber seit Exchange Server 2019 und auch für Exchange Server SE ist das nicht mehr erlaubt.

Hier findest du eine Liste von Microsoft-Partnern (CSPs), die dir Cloud-Abos (CSLs) für Exchange Server SE anbieten dürfen. Wenn du solche CSLs bei einem CSP kaufst, brauchst du eine Volumenlizenzvereinbarung (VL) mit Microsoft und musst deinen Mandanten anlegen, falls das noch nicht der Fall ist. Jeder Kauf von Exchange Server erfolgt über eine Volumenlizenz, daher gehört die VL-Vereinbarung immer dazu. Dein CSP übernimmt den gesamten Ablauf bei Microsoft für dich, damit du die VL ganz stressfrei abschließen kannst.

Sobald dein Tenant eingerichtet ist, kannst du im Microsoft 365 Admin Center auf die Seite „Perpetual Software“ zugreifen. Dort bekommst du die Produktschlüssel für deine Server und kannst die Software sowie Updates herunterladen. Momentan stehen die Produktschlüssel für Exchange 2019 bereit. Diese Schlüssel funktionieren derzeit sowohl für die 2019er-Version als auch für SE. Bald erscheint ein neues kumulatives Update für SE, das einen eigenen Produktschlüssel benötigt. Diesen erhältst du dann natürlich auch auf der „Perpetual Software“-Seite.

Denk dran: Den Produktschlüssel für deine Hybrid-Server bekommst du direkt vom HCW zugeteilt. Dieser Schlüssel ist wirklich nur für Hybrid-Server (Coextistence-Rolle) gedacht. Für Server mit Postfächern, öffentlichen Ordnern oder einer SMTP-Relay-Funktion kannst du ihn nicht verwenden.

Kauf von Exchange Server SE über MCA

Das Microsoft Customer Agreement (MCA) ist ein modernes, auf Einfachheit ausgelegtes Lizenzmodell. Es gibt keine Mindestabnahmemengen und keine maßgeschneiderten Abrechnungspläne. Es handelt sich um eine vereinfachte Vereinbarung, die vollständig digital präsentiert, akzeptiert und gespeichert wird. Es handelt sich um eine kurze, einfache Vereinbarung, die nicht abläuft und sich automatisch aktualisiert, wenn du Produkte hinzufügst. Darüber hinaus steht sie neuen und bestehenden Kunden zur Verfügung, die ihre Lizenzierung modernisieren möchten. Zum Beispiel durch den Wechsel von EA zu MCA, was eine einfache Änderung der Abrechnung darstellt.

Alle Microsoft-Cloud-Produkte und -dienste, einschließlich Azure, Dynamics 365 und Microsoft 365, sind über die MCA verfügbar. Du kannst Clouddienste über eine MCA direkt von Microsoft (in einigen Regionen) erwerben, aber auch über eine MCA von einem CSP. Die Liste der Länder, in denen ein Direktkauf bei Microsoft möglich ist, findest du auf der Seite Microsoft Kundenvereinbarung.

Erweiterte Nutzungsrechte für Microsoft 365 E3/E5

Microsoft hat in einigen Ankündigungen zu Exchange Server SE die erweiterten Nutzungsrechte (Extended Use Rights, EUR) für Office Server angesprochen, die in bestimmten Programmen gelten. Mit diesen EURs kannst du als Nutzer, dem eine Microsoft 365 E3- oder E5-Lizenz zugewiesen ist, unter bestimmten Lizenzprogrammen so viele Kopien von Exchange Server, SharePoint Server und Skype for Business Server auf jedem Server installieren, der für dich und dein Unternehmen vorgesehen ist.

Der Originaltext lautet:
install any number of copies of the following server software on any Server dedicated to Customer’s use: Exchange Server, SharePoint Server, and Skype for Business Server „

Wichtig dabei: Nur die User, denen eine Microsoft 365 E3/E5 User SL zugeordnet ist oder die externe User sind, dürfen auf diese Serversoftware zugreifen.

Der Originaltext hierzu lautet:
access to the above server software is exclusive to those users assigned a Microsoft 365 E3/E5 User SL or External Users

Zu den Programmen, die EURs für Office-Server bereitstellen, gehören:

Das Microsoft Online Subscription Agreement (MOSA)-Programm umfasst keine EURs für Office Server.

Ich hoffe, das schafft etwas Klarheit. Lizenzfragen können manchmal verwirrend sein, aber fast immer findest du die Antworten zur Exchange Server SE-Lizenzierung auf der Seite „Produktbedingungen/Lizenzierung“. Die Seite ist definitiv die erste Anlaufstelle, wenn es um Microsoft-Lizenzen geht. Dort findest du alles, was es zu wissen gilt.