Exchange Server SE Lizenzierung – Teil 2

Seit der Veröffentlichung meines letzten Artikels zu Lizenzen und Produktschlüsseln für Exchange Server SE habe ich viele spannende Fragen erhalten. Viele habe ich bereits öffentlich beantwortet, andere wurden privat geklärt. Ich möchte diese wertvollen Informationen aber auch gern hier teilen, weil ich denke, dass sie für viele nützlich sein könnten.

Unstimmigkeiten auf der Microsoft-Webseite

Es gab einige Fragen zur Microsoft-Seite „Exchange Server Subscription Edition Licensing“. Dort geht es um Serverlizenzen und Clientzugriffslizenzen (CALs), aber es werden keine Details zu Abonnements, Software Assurance (SA) oder Cloud-Abonnementlizenzen erwähnt. Solche Informationen könnten für viele interessant sein und helfen, die Lizenzierung besser zu verstehen.

Wenn du dir die Version des Artikels zu Exchange Server 2019 ansiehst, die vor der Veröffentlichung von Exchange Server SE stammt, wirst du feststellen, dass die SE-Version im Wesentlichen eine Kopie der Exchange Server 2019-Version ist. Ich habe oft erwähnt, dass die Lizenzierung für Exchange Server SE dieselbe ist wie für Exchange Server 2019, was ebenfalls stimmt.

Es gab auch Fragen zu den FAQ zur Lizenzierung von Microsoft Exchange Server, in denen immer noch von der Lizenzierung von Exchange Server 2019 die Rede ist, und Abonnements oder SA werden ebenfalls nicht erwähnt.

Wie lässt sich mein Artikel mit den Informationen auf den Microsoft-Lizenzierungsseiten abstimmen? Die Antwort lautet, dass die Seiten zwar korrekt sind, aber unvollständig bleiben, da sie keine Details zu Abonnements, SA oder Cloud-Lizenzen enthalten.

Die gute Nachricht ist, dass Microsoft mir zugesichert hat, diese Seiten vollständig zu aktualisieren und gegebenenfalls zusammenzuführen. Ich habe zwar keinen genauen Zeitplan, aber ich kann versprechen, dass die Aktualisierungen bald erfolgen.

Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, ob diese Seiten wirklich so wichtig sind, denn die zuverlässigste Quelle für verbindliche Lizenzinformationen ist die Website „Produktbedingungen“ von Microsoft, die drei zentrale Bereiche abdeckt.

  • Produktbedingungen, die die Lizenzbedingungen und Nutzungsrechte von Produkten und Diensten für VL-Programme erläutern
  • Weitere Dokumente mit rechtlichen Informationen, auf die in den Produktbedingungen verwiesen wird.
  • Lizenzierungsressourcen, die aus Verlinkungen zu weiterführenden Informationen bestehen.

Du solltest auch die universellen Lizenzbedingungen (ULTs) von Microsoft lesen, die für alle Softwareprodukte gelten, die über Microsoft Volume Licensing lizenziert werden. Diese sind möglicherweise nicht deine einzigen Rechte oder Bedingungen, denn SA gewährt beispielsweise zusätzliche Rechte und enthält weitere Bedingungen. Außerdem kann deine VL-Vereinbarung zusätzliche Rechte und Vorgaben enthalten.

Eine der „Codeänderungen“ in Exchange Server SE RTM war die Aktualisierung einer Rich-Text-Datei, die mit Exchange Server ausgeliefert wird. Diese Datei enthält die Microsoft-Softwarelizenzbedingungen (MSLT), denen du zustimmen musst, um Exchange Server zu installieren. Die MSLT werden jedoch nur angezeigt, wenn du die GUI-Version des Setups nutzt. Du musst das UI-Setup jedoch nicht ausführen, um die MSLT zu sehen. Die Datei „License.rtf“ ist in mehreren Sprachen in den Setup-Dateien unter „\Setup\ServerRoles\Common\Eula\<Sprache>“ lokalisiert.

Verwendung der Testversion über 180 Tage hinaus

Es wurden mehrere Fragen zur Nutzung einer Exchange-Testversion gestellt, insbesondere wenn die Laufzeit 180 Tage nach der Installation überschreitet.

In den ULTs von Microsoft steht klar: „Für die Nutzung der Software ist ein Produktschlüssel notwendig.“ Es wird auch auf technische Maßnahmen eingegangen, die Microsoft zur Durchsetzung dieser Bedingungen einsetzen könnte. Wie bereits in meinem vorherigen Artikel erwähnt, verwendet Exchange Server zwar Produktschlüssel, allerdings findet keine Online-Aktivierung oder -Überprüfung der Software statt.

Im MSLT für Exchange Server SE steht: „Falls Sie keinen Produktschlüssel besitzen, gilt Abschnitt 2 (Testversion) für Sie.“ Ein Teil (aber nicht der gesamte) von Abschnitt 2 ist unten aufgelistet.

Screenshot eines Lizenztextes für Exchange Server Subscription Edition. Sichtbar ist Abschnitt „SECTION 2: TRIAL TERMS“ mit drei Hauptpunkten: 1) Installation and Use Rights, 2) Time-Sensitive Software, 3) Scope of License. Unterpunkte beschreiben Nutzungsrechte, Lizenzdauer (100 Tage), Einschränkungen wie keine Weitergabe, kein Reverse Engineering und keine Modifikation des Codes. Schwarzer Text auf weißem Hintergrund, klar strukturierte Listenform.
Auszug aus Abschnitt 2 der Microsoft-Softwarelizenzbedingungen für Microsoft Exchange Server SE (EN)

In Absatz 2 von Abschnitt 2 wird deutlich gemacht, dass die Softwarerechte zeitlich beschränkt sind und sich auf 180 Tage nach der Installation beschränken (2a), dass du möglicherweise regelmäßig an diese Frist erinnert wirst (2b) und dass du nach Ablauf der Lizenz möglicherweise keinen Zugriff mehr auf die Daten hast (2c).

Die Formulierungen aus Abschnitt 2 werden in den MSLT für mehrere Produkte verwendet. Beim Exchange Server SE erscheint nach Ablauf der Testphase (wie in 2b beschrieben) im Exchange Admin Center eine Meldung an den Administrator. Das Produkt bleibt jedoch voll funktionsfähig, und die Daten sind, entgegen den Angaben in 2c, weiterhin vollständig zugänglich.

Weitere Informationen zu den Lizenzbedingungen

Die Absätze 6 und 7 in Abschnitt 2 sind ebenfalls erwähnenswert:

Screenshot eines Lizenztextes für Exchange Server Subscription Edition. Sichtbar sind die Punkte 6) Support Services und 7) Updates. Der Text erklärt, dass Microsoft keine Supportpflicht hat und Updates automatisch installiert werden können, ausschließlich von Microsoft oder autorisierten Quellen. Schwarzer Text auf weißem Hintergrund, kompakte Absätze.
Absätze 6 und 7 von Abschnitt 2 (EN)

In Absatz 6 wird erwähnt, dass Microsoft nicht verpflichtet ist, Support für Testversionen anzubieten. Obwohl keine Supportpflicht besteht, wird das Unternehmen dies dennoch für Testversionen tun. Wahrscheinlich werden keine Fragen zu Lizenzen oder Produktschlüsseln gestellt, außer sie sind für den Support relevant, beispielsweise bei Problemen mit Produkten oder Lizenzen, z. B. wenn du nicht mehr als 5 Datenbanken auf einem Server einbinden kannst, da es sich um eine Test- oder Standardversion handelt.

In Absatz 7 werden Software-Updates erläutert, insbesondere für Exchange Server SE, einschließlich CUs, SUs, HUs und IUs. Exchange Server SE führt keine Updatesuche durch, lädt keine Updates herunter und installiert auch keine. Es enthält zwar den optionalen Exchange Emergency Mitigation Service, der jedoch nur für ad hoc Abhilfemaßnahmen genutzt wird und keine Updates bezieht. Außerdem umfasst Exchange Server SE das Flighting-Feature, das Microsoft künftig nutzen wird, um neue Funktionen oder Änderungen in einem Update zu aktivieren; es lädt diese Updates jedoch weder automatisch herunter noch installiert es sie.

Windows Server kann nach Updates suchen und diese installieren, und ein Exchange-Administrator kann automatisierte Updates aktivieren, einschließlich der Exchange-Server-Sicherheitsupdates. Es ist jedoch ratsam, Updates für Exchange Server manuell oder mittels kontrollierter Automatisierung durchzuführen.

Wenn du beispielsweise Security Updates manuell über die GUI installierst, werden dir zusätzliche Lizenzbedingungen angezeigt, wie im unteren Bild dargestellt, in denen die Lizenzanforderungen für die Installation des Updates aufgeführt sind.

Screenshot eines Dialogfensters zur Lizenzvereinbarung für Exchange Server Subscription Edition Security Update. Oben steht „License Terms“ mit Hinweis „Please read the following license terms carefully“. Darunter ein Textfeld mit Details zur Lizenznutzung und Support-Informationen. Zwei Auswahloptionen: „I accept the License Terms“ und „I do not accept the License Terms“ (zweite Option ist ausgewählt). Unten drei Buttons: „Back“, „Next“ (ausgegraut) und „Cancel“.
Lizenzbedingungen für ein Exchange Server SE-Sicherheitsupdate (EN)

Gemäß den oben genannten Lizenzbestimmungen darfst du das SU nur installieren, wenn du eine gültige Lizenz für Exchange Server SE besitzt. Dennoch basiert die Installation auf Ehrlichkeit, und es gibt keine technische Sperre.

Clientzugriffslizenzen und Verwaltungslizenzen

Eine der drei Optionen, um Benutzern oder Geräten legalen Zugriff auf den Exchange Server SE zu gewähren, ist die Nutzung von CAL– oder ML-Äquivalenzlizenzen. Die anderen beiden Methoden umfassen L+SA- oder Exchange Online-Lizenzen. CALs werden für einzelne Benutzer oder Geräte verwendet, während MLs Lizenzen sind, die von Verwaltungssoftware genutzt werden.

„Die Lizenzierung von Software mit CALs und MLs kann aufgrund der technischen Natur von Serverprodukten und Netzwerken kompliziert sein.“

Dieses Zitat stammt direkt von der Microsoft-Website und ist vollkommen korrekt. Microsoft bietet eine Vielzahl von Lizenzen an, darunter Benutzer-CALs, Geräte-CALs, External-Connector-Lizenzen, Server-MLs für die Verwaltung von Server-Betriebssystemen (OSEs), OSE-Client-MLs, Benutzer-Client-MLs sowie kernbasierte Lizenzen. Exchange Server SE, wie auch SharePoint Server SE und Skype for Business Server SE, verwenden das Server+CAL-Modell, das auf den oben genannten Lizenzierungsseiten von Microsoft näher erklärt wird.

Microsoft bietet auch sogenannte CAL-Suiten an, die eine einzige Lizenz für mehrere Produkte sind, wie z. B. eine CAL, die Exchange Server, SharePoint Server, Skype for Business Server, Windows Server und weitere abdeckt. Es gibt eine Core CAL-Suite und eine Enterprise CAL-Suite, wobei die Enterprise CAL-Suite auch Lizenzen für Online-Dienste wie Exchange Online Archiving für Exchange Server und Exchange Online Protection beinhaltet.

Wenn Sie eine lokale Bereitstellung von Exchange Server nutzen und auf die Cloud umsteigen möchten, bietet Microsoft auch CAL-Suite-Bridges an, einen abonnementbasierten Lizenzierungsweg, mit dem Sie von L+SA-Abonnementlizenzen zu Cloud-Abonnementlizenzen wechseln können.

Hier kann es schwierig werden, die Lizenzkosten zwischen On-Premises und Cloud zu vergleichen. Denke daran, dass Cloud-Lizenzen unabhängig von der gewählten Bereitstellung sind, sodass du sie erwerben und ausschließlich On-Premises bereitstellen kannst. Letztendlich hängt der wirtschaftlichste Ansatz davon ab, was dein UNternehmen kauft und wie viel.

Ich hoffe, diese ergänzenden Informationen sind nützlich.


Übersetzung: Thomas Stensitzki