Exchange Server SE und Produktschlüssel

Es scheint viel Verwirrung hinsichtlich der Lizenzierung und der Produktschlüssel für Exchange Server SE zu geben, nicht nur auf LinkedIn, sondern auch auf Reddit, in der Microsoft Tech Community und in der Exchange-Community. Daher möchte ich mit diesem Artikel versuchen, diese Verwirrung zu beseitigen.

Lizenzierung

Zweifellos hat die Umbenennung von Exchange Server (2019) in Exchange Server Subscription Edition zu Verwirrung geführt. Einige glaubten irrtümlich, dass damit zum ersten Mal in der Geschichte von Exchange Server eine Cloud-Konnektivität erforderlich sei. Andere nahmen an, Microsoft würde beginnen, lokale Exchange-Server auf dieselbe Weise wie Exchange Online zu aktualisieren. Beides entspricht nicht der Realität. Wie bei allen früheren Versionen von Exchange Server ist für Exchange Server SE keine Cloud- (oder Internet-)Konnektivität notwendig, obwohl es einige Funktionen gibt, bei deren Nutzung eine Cloud-Konnektivität erforderlich ist, wie beispielsweise der Exchange Emergency Mitigation Service und das Feature Flighting.

Trotz der Namensänderung sind die Lizenzanforderungen (und die Vertriebskanäle) für Exchange Server SE jedoch identisch mit denen für Exchange Server 2019.

Es gibt drei Lizenzoptionen:

  1. Serverlizenzen und Clientzugriffslizenzen (CALs) mit aktiver Software Assurance (SA)
  2. Exchange Online-Lizenzen
  3. CAL-Äquivalenzlizenzen

Der Kauf von Serverlizenzen und CALs mit SA ist der traditionelle Ansatz und kann auch mit Exchange Server SE durchgeführt werden. Einige Kunden haben sich jedoch für den Kauf von Cloud- oder Äquivalenzlizenzen entschieden, um ihre Lizenzbeschaffung zu modernisieren und Lizenzen besser zu verwalten. Zu den qualifizierten Cloud-Lizenzen, die die CAL-Anforderungen von Exchange Server SE erfüllen, gehören Exchange Online Plan 1, der eine Lizenz bietet, die einer Exchange Server Standard CAL entspricht, und Exchange Online Plan 2, der eine Lizenz bietet, die einer Exchange Server Enterprise CAL entspricht und Ihnen das Recht gibt, erweiterte Funktionen wie In-Place-Archivierung, In-Place-Aufbewahrung, Informationsschutz und Compliance, benutzerdefinierte Aufbewahrungsrichtlinien, Journaliing pro Benutzer/Verteilerliste, Site Mailboxes, Compliance, Data Loss Prevention, Exchange Online Protection und Cloud Voicemail.

Am oberen Ende der Cloud-Lizenzen befinden sich Microsoft 365 E3 (ME3) und Microsoft 365 E5 (ME5). Diese bieten erweiterte Nutzungsrechte für lokale Office-Server wie Exchange Server SE, SharePoint Server SE und Skype for Business Server SE, je nach Vereinbarung mit Microsoft. Kunden mit einem Enterprise Agreement und einer ME3- oder ME5-Lizenz können beispielsweise „eine beliebige Anzahl von Kopien“ der Office-Server-Software installieren. Dabei ist wichtig zu wissen, dass alle Benutzer und Geräte, die auf die lokalen Office-Server zugreifen, ebenfalls über eine ME3- oder ME5-Lizenz verfügen müssen. Die Lizenz selbst muss dabei nur erworben, aber nicht direkt zugewiesen werden. Außerdem gibt es ähnliche erweiterte Nutzungsrechte für Microsoft 365 A3 und A5 im Rahmen des Microsoft Customer Agreement (MCA).

Wie bereits erwähnt, sind dies die gleichen Anforderungen wie für Exchange Server 2019. Wenn du momentan Exchange Server 2019 verwendest und eine aktive SA hast, erfüllst du wahrscheinlich schon die Lizenzbedingungen für Exchange Server SE und kannst die Software in deiner Umgebung problemlos ohne zusätzliche Lizenzkosten bereitstellen.

Wenn du eine frühere Version von Exchange Server nutzt und eine aktive Software Assurance (SA) oder qualifizierte Cloud-Lizenzen hast, erfüllst du wahrscheinlich auch die Lizenzanforderungen für Exchange Server SE. Falls du jedoch keine Software Assurance oder Cloud-Lizenzen (oder einen Volumenlizenzvertrag) besitzt, musst du qualifizierte Server-Lizenzen und Client Access Licenses (CALs) erwerben, damit du Exchange Server SE nutzen kannst und Zugriff auf Updates hast.

Es gibt jedoch einen wichtigen Unterschied. Downgrade-Rechte (d. h. Rechte für frühere Versionen) sind nicht mehr verfügbar. Der Grund dafür ist einfach: Es gibt keine unterstützten Produktversionen außer Exchange Server SE, sodass kein Downgrade mehr möglich ist. Wenn du also kein aktives Software Assurance-Abonnement hast, verlierst du das Recht, Updates zu installieren und das Produkt zu nutzen.

Produktschlüssel

Wie in früheren Versionen von Exchange Server gibt es keine Online-Aktivierung von Produktschlüsseln oder Lizenzen. Du erwirbst die erforderlichen Lizenzen (oder behältst ein bestehendes Software Assurance-Abonnement bei), um die Rechte zur Nutzung der Software und zur Installation von Updates zu erhalten.

Ein Produktschlüssel bestätigt, dass du eine Serverlizenz für Exchange Server SE in der Standard- oder Enterprise-Edition erworben hast. Ohne Produktschlüssel gilt die installierte Software als Testversion. Die Testversion funktioniert genauso wie ein Server der Standard-Edition und kann bis zu 180 Tage lang in einer Nicht-Produktionsumgebung zum Testen von Exchange verwendet werden. Um den Server über diesen Zeitraum hinaus weiter zu nutzen, musst du einen Produktschlüssel eingeben. Andernfalls zeigt das Exchange-Admin-Center (EAC) Erinnerungen an die Eingabe eines Produktschlüssels auf dem Server an. Der Produktschlüssel kann über das EAC oder die Exchange-Verwaltungsshell (EMS) vorgenommen werden. Obwohl das EAC nach Ablauf der Testphase eine Warnung anzeigt, geht keine Funktionalität verloren, und die Software funktioniert weiterhin wie mit einer Lizenz (mit Ausnahme der Warnmeldungen).

Wenn du ein In-Place-Upgrade eines Exchange Server 2019-Systems mit einem gültigen Produktschlüssel durchführst, verwendet die Exchange Server SE RTM-Version diesen Schlüssel weiter. Dies wurde absichtlich so gestaltet, um ein reibungsloses In-Place-Upgrade zu unterstützen.

Wenn du eine Neuinstallation von Exchange Server SE RTM durchführst (einschließlich eines Legacy-Upgrades von Exchange Server 2016), kannst du einen Produktschlüssel für Exchange Server 2019 eingeben, den du auf der Seite „Volumenlizenzierung“ im Microsoft 365 Admin Center erhältst, nachdem dein Unternehmen eine entsprechende Vereinbarung mit Microsoft abgeschlossen hat.

Exchange Server SE ist in vier Editionen verfügbar:

  • Enterprise, die maximal 100 eingebundene Datenbanken pro Server unterstützt
  • Standard, die maximal 5 eingebundene  Datenbanken pro Server unterstützt
  • StandardEvaluation, eine zeitlich auf 180 Tage begrenzte Standard-Testversion
  • Coexistence (auch als Hybrid Deployment bekannt), die die hybride Beziehung zu Exchange Online aufrechterhält

Nebenbei bemerkt: Eine eingebundene Postfachdatenbank ist eine Datenbank, die aktiv von Exchange Server SE genutzt wird, vergleichbar mit einer geöffneten Datenbank. In einer Datenbankverfügbarkeitsgruppe wird technisch zwischen aktiven und passiven Kopien unterschieden. Unabhängig von der Anzahl der Kopien ist eine Datenbank entweder eingebunden (geöffnet, in Verwendung) oder nicht. Nur im Status „eingebunden“ sind die in der Datenbank enthaltenen Postfächer für Clients zugänglich. Es ist möglich, mehr Datenbanken als die genannten Grenzwerte zu erstellen, aber die maximal zulässige Anzahl an eingebundenen Datenbanken ist durch die Exchange-Edition und den Produktschlüssel festgelegt. Wiederherstellungsdatenbanken zählen nicht zu diesen Grenzwerten.

Wenn du einen gültigen Produktschlüssel eingibst, legt dies die unterstützte Edition für den Server fest. Damit kannst du von der Testversion zur Standard- oder Enterprise-Edition wechseln. Nach Ablauf der Testphase gehen keine Funktionen verloren, sodass du Labor-, Demo-, Schulungs- und andere Nicht-Produktionsumgebungen auch nach 180 Tagen weiterhin nutzen kannst, ohne die Testversion neu installieren oder einen Produktschlüssel eingeben zu müssen.

Du kannst einen gültigen Produktschlüssel verwenden, um von der Standard Edition zur Enterprise Edition zu wechseln. Aber du kannst keinen gültigen Produktschlüssel verwenden, um von der Enterprise Edition auf die Standard Edition herunterzustufen oder zur Testversion zurückzukehren. Diese Arten von Downgrades sind nur möglich, indem du den Exchange Server deinstallierst, neu installierst und den richtigen Produktschlüssel eingibst.

Produktschlüssel gelten auch für Edge-Transport-Server. Wenn du ein Edge-Abonnement erstellst, wird die Edition des Edge-Transport-Servers als Teil der Edge-Abonnement-Informationen erfasst, abhängig davon, ob ein Produktschlüssel vorhanden ist oder fehlt. Edge-Transport-Server unterstützen zwei Editionen: Testversion oder Standard. Enterprise steht mit Edge-Transport nicht zur Auswahl, da auf Edge-Transport-Servern weder Enterprise-Funktionen noch Postfachdatenbanken verfügbar sind. Eine Hybrid-Lizenzierung ist nicht möglich, da du einen Edge-Transport-Server nicht als Hybridserver verwenden kannst.

Wenn du ein Edge-Abonnement für einen Edge-Transport-Server erstellst, das als Testversion lizenziert ist, wird dieser in der internen Organisation als nicht lizenziert angezeigt. Nach Eingabe eines Produktschlüssels auf einem abonnierten Edge-Transport-Server wird die Änderung sofort auf dem Server sichtbar, jedoch nicht in der internen Organisation. Um die Lizenzinformationen in den internen Organisationen zu aktualisieren, musst du das Edge-Abonnement entfernen und neu erstellen. Wenn du das Abonnement nicht erneuerst, zeigt die interne Organisation den Server weiterhin als nicht lizenziert an, was nur kosmetischer Natur ist, ohne Auswirkungen auf die Funktionalität. Dennoch wird eine erneute Erstellung des Edge-Abonnements für Konformitäts- oder Audit-Zwecke empfohlen.

Wie in früheren Versionen stellt der Hybrid Configuration Wizard (HCW) die Lizenz für Hybridserver bereit, sodass davon ausgegangen wird, dass du keinen Produktschlüssel auf dem Server eingegeben hast. Um die Hybridserverlizenz zu erhalten, klicke im HCW auf „Diesen Server jetzt lizenzieren“ und authentifiziere dich am Microsoft 365-Mandanten.

Der HCW aktualisiert den Produktschlüssel auf dem ausgewählten Server und die Informationen in der HCW-Server-Auswahlliste. Je nach Replikationslatenz der Active Directory-Gesamtstruktur wird die Version möglicherweise nicht umgehend von „Standard Evaluation Edition“ auf „Coexistence Edition (Hybrid Deployment)“ aktualisiert. Du kannst die Lizenz jedoch mit „Get-ExchangeServer“ überprüfen oder einfach zwischen den beiden lokalen Serveroptionen im HCW umschalten, wodurch die Erkennung ausgelöst wird und derselbe Server mit aktualisierten Eigenschaften ausgewählt werden sollte.

Abschließender Hinweis

Obwohl die Produktschlüssel für Exchange Server 2019 mit Exchange Server SE RTM funktionieren, wird erwartet, dass neue Produktschlüssel speziell für Exchange Server SE mit Exchange Server SE CU1 verfügbar sein werden, das für das erste Halbjahr 2026 erwartet wird. Wenn die neuen Schlüssel zur Verfügung stehen, sind sie zusammen mit dem CU1-Download im Bereich „Volumenlizenzierung” des Microsoft 365 Admin Centers verfügbar.

Ich hoffe, dass damit alle Unklarheiten bezüglich der Lizenzierung und der Produktschlüssel für Exchange Server SE beseitigt sind.

Übersetzung: Thomas Stensitzki